Zweites Terrarium - zweite Art?

  • Hallo!


    Seit ein paar Monaten bin ich stolze Halterin von Thamnophis. Die Tiere fressen fleißig, entwickeln sich gut und sind bis jetzt absolut unproblematisch. Da mir die Haltung von Schlangen so gut gefällt, denke ich darüber nach, ein weiteres Terrarium mit einer weiteren Schlangenart anzuschaffen. Die Angst vor der Beschaffung von Frostfutter hat sich mittlerweile komplett erledigt, alles funktioniert wunderbar. Ich bin in gutem Kontakt mit der Züchterin meiner Schlangen, die mir stets gute Ratschläge gibt. Wenn alles klappt, werden meine Schlangen Ende November in die Winterruhe gehen. Damit ich ausreichend Zeit habe, mich zu informieren , das Terrarium einzurichten etc., soll die Anschaffung der neuen Art frühestens in einem Jahr erfolgen.


    Nun würde ich bei der Wahl der neuen Art gerne wieder eure Hilfe in Anspruch nehmen. Nach wie vor würde ich mich als Anfänger bezeichnen, daher suche ich nach einer weiteren Art, die für Anfänger geeignet ist. Die neue Art sollte nicht zu groß werden und eher ein Bodenbewohner, da der Platz für das neue Terrarium begrenzt ist. Bis 120 cm Länge des Terrariums wäre noch möglich, in der Höhe bis zu 60 cm. Es wäre schön, wenn die neue Art keine Winterruhe benötigt, damit ich auch im Winter etwas zum Beobachten und Füttern habe, wenn meine Thamnophis in der Winterruhe sind. Ein Wüstenterrarium würde mir gut gefallen, das ist jedoch zweitranging, da natürlich das Tier und nicht das Terrarium im Vordergrund stehen soll. Eine tagaktive Schlange wäre schön, ist aber kein Muss. Und am liebsten wäre es mir, wenn ich die Tiere als deutsche Nachzuchten bekommen kann.


    Natürlich habe ich bereits selbst ein wenig recherchiert, die Suche im Internet gestaltet sich allerdings als schwierig. Von meinen Zierfischen bin ich gewohnt, dass es Websites gibt, bei denen man gezielt nach verschiedenen Parametern suchen kann - alternativ kann man Online-Shops und Stocklisten durchsuchen, um seltenere Arten zu finden. Vielleicht gebe ich bei den Schlangen auch einfach die falschen Suchbegriffe ein, auf jeden Fall lande ich immer wieder bei den üblichen Verdächtigen, die zum Teil allein aufgrund der Größe des Terrariums schon nicht in Frage kommen - z.B. für Kornnattern und Königspythons völlig ungeeignet.


    Dann bin ich auf Lampropeltis gestoßen. Sehr schöne Tiere, aber leider kannibalistisch und als Anfänger traue ich mir auch nicht zu, zwei Tiere gleicher Größe in einem Terrarium zu halten. Dazu kommt, dass sie offensichtlich ebenfalls eine Winterruhe benötigen und dämmerungs-/nachtaktiv sind.


    Nächste Möglichkeit: Oreocryptophis. Hier finde ich extrem unterschiedliche Angaben zur Höhe des Terrariums, auf manchen Seiten reichen 50 cm aus, auf anderen werden mindestens 100 cm empfohlen. Auch zur Winterruhe finde ich hier unterschiedliche Angaben, manchmal werden 2 bis 4 Wochen bei 20 Grad angegeben (was durchaus in der Wohnung machbar wäre), manchmal 16 Grad für etwas längere Zeit. Tagaktiv wäre gegeben.


    Eryx/Gongylophis (ich finde nicht mal etwas darüber, welche Gattung denn nun die Richtige ist): Nachtaktiv und wohl sehr selten zu sehen, da sie sich im Sand vergraben. Zudem bin ich mir nicht sicher bezüglich der Meldepflicht. Muss ich das machen? Wie kompliziert ist das? Winterruhe ist natürlich bei einem Wüstenbewohner nicht sinnvoll.


    Heterodon nasicus: Aktuell mein Favorit. Tagaktiv, Wüstenbewohner, daher keine Winterruhe, da wäre sogar ein kleineres Terrarium möglich (sprich, meines wäre sehr gut geeignet). Widersprüchliche Angaben finde ich allerdings zum Sand. Manche sagen, Sand ist absolut kein Problem (natürlich abgerundet), andere Sagen, es muss Humus beigemischt werden (der sich dann laut der "gegnerischen Front" aber dann sowieso obendrauf sammelt). Die Kopfpartie finde ich optisch gewöhnungsbedürftig, aber ich glaube, das liegt eher daran, dass man sich unter "Schlange" etwas anderes vorstellt.


    Und nun bin ich natürlich offen für Anmerkungen und weitere Vorschläge :)

  • Erstmal mußt Du Dir die fixe Idee, "Wüsten"bewohnende Schlangen würden keine Winterruhe halten, schnell wieder aus dem Kopf schlagen. Auch der Begriff Wüste ist variabel - Du meinst vermutlich Steppe, Stein- oder Sandwüste?


    Ganz allgemein zur Notwendigkeit einer Winterruhe: die hängt vom Klima im Verbreitungsgebiet ab.


    Heterodon nasicus sollte auf jeden Fall eine Winterruhe halten.


    Eryx/Gongylophis: aktuell ist Eryx wohl der gültige Name der Gattung. Informationen findest man jedoch unter beiden. Auch hier: Winterruhe oder nicht hängt vom Verbreitungsgebiet ab. Ja, meldepflichtige Tiere mußt Du melden. Kompliziert ist das nicht. Du mußt beim Kauf einen Herkunftsnachweis und/oder Zuchtbeleg bekommen. Den kopierst Du, füllst ein Formular Deiner Meldebehörde aus, und schickst beides dorthin. Welche Behörde für Dich zuständig ist, hängt davon ab wo Du wohnst. Jedes Bundesland hat eine zentrale Anlaufstalle, Meldungen sind i.d.R. aber auch in den jeweiligen Städten/Landkreisen möglich, i.d.R. bei der Unteren Landschaftsbehörde oder dem Veterinäramt.


    Oreocryptophis: Bodenbewohner, 100cm Terrarienhöhe sind sicherlich nicht nötig. Nur 50cm machen aber auch keinen Sinn, weil der Bodengrund der Lebensweise entsprechend recht hoch sein sollte. Die Arten dieser Gattung verkraften keine hohen Temperaturen, das sollte man für den Sommer immer im Hinterkopf haben, und ggf. eher von der Haltung absehen. Zur Notwendigkeit einer Winterruhe habe ich bereits etwas gesagt.


    Lampropeltis: nicht alle Arten der Gattung fressen unweigerlich Schlangen bzw. Artgenossen. Besondere Vorsicht ist beim getula-Komplex geboten. Man kann die Gefahr von Kannibalismus allerdings leicht umgehen, indem man ein einzelnes Tier hält.


    Python regius: obwohl die Maße Deines zukünftigen Terrariums noch nicht feststehen, würde ich diese Art für ein 120er-Becken nicht als vollkommen ungeeignet einstufen. Sie können deutlich größer werden, dann passt das Terrarium natürlich nicht. Aber ein Männchen mit adult 100cm - warum nicht?


    Da Du von Deinen Thamnophis in der Mehrzahl sprichst, würde ich ehrlich gesagt erstmal eher über Ausweichterrarien nachdenken, sollten sie getrennt werden müssen, anstatt gleich eine neue Art haben zu wollen.

  • Hallo!


    Danke für deine Antwort. GIbt es denn überhaupt Schlangen, die keine Winterruhe benötigen?

    Jetzt, wo du es sagst, komm ich mir leicht blöd vor :D Sand- oder Steinwüste meine ich.


    Orecryptophis: 60 cm ständen wie gesagt zur Verfügung. Mit hohen Temperaturen habe ich keine Probleme, im Sommer schließe ich ohnehin die Rolläden und meine Wohnung bleibt auch sowieso schön kühl. Das ist auch nötig wegen meiner Aquarien, da habe ich auch Tiere dabei, die dauerhaft nicht über 22° vertragen.


    Lampropeltis: Dass man nur ein einzelnes Tier halten kann, weiß ich. Aber schöner wären natürlich mehrere.


    Python regius: Woher weiß ich denn dann, wie groß das Tier wird? Nachher wird es doch größer und ich hab ein Problem...


    Meine Thamnophis: Warum sollten die Tiere denn getrennt werden müssen? Sie sind alle ungefähr gleich groß und ich halte nur Männchen. Ein Quarantäneterrarium ist natürlich vorhanden, falls mal was sein sollte (Krankheit, Verletzung...). Das ist ganz unabhängig von dem Platz für das neue Terra.

  • GIbt es denn überhaupt Schlangen, die keine Winterruhe benötigen?

    Ja! Allerdings so viele, daß es jetzt ziemlich sinnlos wäre, sich an einer Aufzählung zu versuchen.


    Was findest Du an der Paar- oder Gruppenhaltung denn schöner? Sicherlich kann man bei manchen Schlangen ein gewissen Sozialverhalten beobachten, aber die Einzelhaltung ist und bleibt die unkomplizierteste aller Lösungen. Anzuraten besonders dann, wenn man keine Nachzuchten möchte, einfach weil der Markt auf gut Deutsch bereits den Bach runtergeht.


    Die zu erwartende Größe eines adulten Python regius kannst Du gut einschätzen, wenn Du ein älteres adultes Tier erwirbst. Wenn Du in jedem Fall mit einem Jungtier beginnen willst, fällt diese Option natürlich aus. Man kann sich die Größe der Elterntiere anschauen, das ist aber nur ein extrem vager und unsicherer Richtwert.


    Es gibt viele mögliche Gründe, die eine Trennung notwendig machen können. Beissereien, z.B. beim Beuteerwerb. Unterdrückung. Kommentkämpfe, auch wenn kein Weibchen im selben Raum ist. Einzelne Tiere können erkranken, andere nicht. Und so weiter. Ich rate gerade Einsteigern gern dazu, auch mögliche worst case Szenarien zu berücksichtigen. Leider liest man viel zu oft, daß entweder aus Trotz nicht getrennt wird, obwohl es nötig wäre. Oder daß ein Tier abgegeben werden muß, weil von Anfang an nur Platz für ein Terrarium war. Wenn Du zumindest ein Quarantäneterrarium hast, ist doch alles im grünen Bereich.

  • Hallo!


    Bei Gruppenhaltung kann man auch dann noch etwas sehen, wenn sich mal ein Tier versteckt ;) Um das Verhalten oder die Zucht ging es mir nicht. Bei der Zucht würde ich mich als Anfänger sowieso herausnehmen. Daher kaufe ich auch nur Tiere, die sicher bestimmt sind. Ist schon traurig, dass quasi "jeder" Kornnattern nachzüchtet und die Tiere zu Schleuderpreisen über Kleinanzeigen vermittelt werden...


    Nein, es muss nicht unbedingt ein Jungtier sein. Also werde ich mich auf jeden Fall auch mal über Python regius informieren.


    Ich füttere meine Schlangen außerhalb des Terrariums einzeln, das hat mir meine Thamnophis-Züchterin beigebracht. Da sollte es also keine Beißereien geben. Unterdrückung und Kommentkämpfe wären natürlich möglich, da müsste ich mich mal reinlesen, weil ich diesbezüglich von Thamnophis-Haltern noch nichts gehört habe. Aber wenn es das geben könnte, ist das schonmal gut zu wissen. Ich würde niemals meine Tiere gefährden, wenn mir gesagt wird, dass ich die Tiere trennen muss, dann mache ich das auch!

  • Bei Gruppenhaltung kann man auch dann noch etwas sehen, wenn sich mal ein Tier versteckt

    Wenn das das einzige Argument ist, würde ich auf jeden Fall weiterhin zur Einzelhaltung raten. Besonders bei den schon angesprochenen Lampropeltis. Allgemein wage ich zu behaupten, daß der Großteil der Schlangen, die zu Deinen bisherigen Kriterien passen und die Du selbst nanntest, nicht unbedingt der Inbegriff von Aktivität sind.