Terrarium für ein Jemenchamäleon - noch ein paar Fragen

  • Hallo liebes Forum,

    ich bin neu hier im Forum wie auch in der Chamäleon-Haltung. Ich freue mich sehr, dieses nützliche Forum gefunden zu haben und habe hier schon sehr, sehr viel gelesen und gelernt.

    Kurz zur Situation:

    Seit langem spielen wir mit dem Gedanken, ein Chamäleon in unsere Familie aufzunehmen. Seit langem heißt in dem Fall, wir liebäugeln bestimmt seit 2 Jahren, und seit ca. einem halben Jahr laufen die konkreteren Vorbereitungen.
    Wir haben ein Terrarium eingerichtet, das mit einer Größe von 100 x 50 x 100 cm (L x T x H) nicht das End-Terrarium sein wird, aber einem jungen Jemenchamäleon für die ersten Monate sicherlich (hoffentlich?) genug Platz bietet. Wir haben es von einem Freund übernommen, der selbst mittlerweile keine Chamäleons mehr hält und es uns freundlicherweise mit ein bisschen Zubehör überlassen hat.

    Es handelt sich um ein Terrarium aus Glas. Die Rück- und Seitenwände haben wir mit dicken Korkrinde-Platten verkleidet - zum Klettern und gegen Spiegelungen. Der Bodengrund ist ca. 10cm dick, zuunterst befindet sich eine Schicht Blähton, dann Vlies, dann Terrarium-Erde. Ich will diese bei Gelegenheit noch mit einer Portion Waldboden mischen.
    Ansonsten ist das Terrarium mit Korkästen verschiedener Dicke, einer künstlichen Liane mit rauer Oberfläche sowie diversen Pflanzen (Efeutute, Schefflera, Einblatt, Golliwoog) eingerichtet. Auch einige künstliche Pflanzen sind vorübergehend drin, die dem zukünftigen Bewohner Sichtschutz bieten sollen, bis die echten Pflanzen größer geworden sind.


    Wir haben sowohl eine Beregnungsanlage ("MRS Micro Rain"), die zweimal am Tag sprüht, als auch eine Sprühflasche als Backup, falls mit der Anlage mal was ist.

    Der zukünftige Bewohner ist ein männliches Jemenchamäleon, im Juni 2018 geschlüpft, den wir bei der Züchterin bereits besucht und "ins Auge gefasst" haben. Wir können ihn jederzeit abholen.

    Bis dahin möchte ich allerdings am Terrarium noch einige Optimierungen vornehmen.
    Insbesondere die Beleuchtung bereitet mir noch Kopfzerbrechen (wie offenbar vielen Anfängern, nach dem, was ich so lese...). Ich habe zwar schon viel gelesen und erfragt (bei dem chamäleonerfahrenen Freund, bei der Züchterin), aber es gibt so viele verschiedene Setups, dass mir der Kopf schwirrt.


    Darf ich euch mal schildern, wie ich mir das vorstelle? Ich würde mich über eure Tipps, Einschätzungen und Erfahrungen sehr freuen.
    Also, momentan hat das Terrarium noch einen Glas-Deckel mit nur so einem Lochblech in der Mitte (ca. 5cm breit über die ganze Länge). Ihr kennt das sicher. Im Terrarium hängt so ein Drahtkorb, darin eine Zoomed Powersun UV 100W. Sonst gibt es noch keine Beleuchtung.
    Ich weiß, dass das nicht gut ist so, und ich glaube auch, dass die Lampe viel zu stark ist - ein kleiner Ficus ist uns darunter schon weg gebrutzelt (ob wegen der Wärme oder wegen des direkten UV-Lichts, vermag ich nicht zu sagen).
    Ich will dieser Tage das hintere Deckelglas sowie wahrscheinlich das Lochblech entfernen und durch Alu- oder Edelstahlgaze ersetzen. Alle Beleuchtung kommt dann darüber, und für die Belüftung ist es so ja auch viel besser.

    Als Lampen stelle ich mir folgendes vor:

    1. eine Lucky Reptile Bright Sun Jungle. Sollte ich da erstmal nur die 35W-Variante nehmen? Auch wenn ich die Lampe über der Gaze aufhänge, befürchte ich, dass das Tier zu nah dran kommt, wenn es kopfüber die Gaze entlang klettert. Leider hab ich über dem Terrarium nicht sehr viel Platz, da es unter einem Hochbett steht. Gut daran ist, dass ich die Lampen direkt an den Balken des Bettes befestigen kann und keinen extra Lampenkasten brauche (so meine Theorie). Oder hab ich da einen Denkfehler drin? Wäre es auch eine Möglichkeit, direkt unter der Lampe (im Terrarium, direkt an der Gaze befestigt) einen leeren Lampenkorb anzubringen, damit das Jemenchamäleon auf jeden Fall immer den benötigten Abstand zur Lampe einhält?

    2. eine Lucky Reptile Daylight T5-Röhre für die Grund-Ausleuchtung. Muss ich dabei irgendwas beachten? Da scheint es auch verschiedene Modelle zu geben... Und was eignet sich als Halterung? Ich bin elektrotechnisch leider nicht sehr bewandert und mir nicht sicher, ob ich die richtige Halterung im Baumarkt finden könnte :-)

    3. wenn es dann im Terrarium nicht warm genug ist, zusätzlich noch einen Wärme-Spot. Wir haben zum Beispiel mit dem Terrarium eine Birne namens Sun Glo (50W, Exo Terra) bekommen, würde die sich eignen?

    Ach ja - die Düsen der Beregnungsanlage kommen momentan durchs Lochblech. Wenn ich das durch Gaze ersetze, wie/wo bringe ich dann am besten die Düsen an? Löcher in die Gaze schneiden?


    Puh, das ist jetzt doch viel Text geworden. Danke fürs Lesen!
    Ich würde mich über eure Hilfe sehr freuen.


    Viele Grüße
    Birgit


  • Also, momentan hat das Terrarium noch einen Glas-Deckel mit nur so einem Lochblech in der Mitte (ca. 5cm breit über die ganze Länge). Ihr kennt das sicher. Im Terrarium hängt so ein Drahtkorb, darin eine Zoomed Powersun UV 100W.

    Du denkst schonmal in die richtige Richtung. Die Belüftungsfläche ist deutlich zu klein, und Mischlichtstrahler nicht die beste Wahl.

    http://www.licht-im-terrarium.de/mlr/lampen#zoomed_powersun


    Eine Bright Sun, oder vergleichbare Produkte anderer Hersteller, haben deutlich mehr zu bieten. Bei der Terrariengröße wird ein Leuchtmittel mit 35 Watt jedoch mit großer Sicherheit nicht ausreichen. Ich würde erstmal 70 Watt wählen und dann im Testbetrieb weiterschauen. Ausserdem rate ich zu einem Vorschaltgerät, das man zwischen unterschiedlichen Wattstärken umschalten kann. So braucht man bei sommerlichen Extremwerten nicht auf eine UV-Quelle und Helligkeit verzichten.


    Sollte ein zusätzlicher Spot nötig sein, um die Temperatur am Sonnenplatz zu erhöhen, würde ich zu einem preisgünstigen Halogenstrahler raten. Man kann die bunt verpackten und hochpreisigen Produkte aus dem Zoohandel zwar auch kaufen, da sie aber in erster Linie nur Wärme abgeben sollen, muß man kein Geld unnötig ausgeben.

    Es bietet sich ein dimmbares Leuchtmittel an, in Kombination mit einem Steckdosendimmer. Den Spot auf die Sonneninsel richten, die die Bright Sun erzeugt, dann die Temperatur messen. Durch den Dimmer kann man bei Bedarf anpassen, ohne teure technische Lösung.

  • Hallo Erdbähr,


    allerbesten Dank für deine Antwort. Ich habe eben erst bemerkt, dass jemand geschrieben hat, sorry... Muss mal gucken, ob man hier Benachrichtigungen einstellen kann.


    Die Idee mit der dimmbaren Lampe ist ja auch super! Damit ist man wirklich flexibel, auch um auf jahreszeitliche Temperaturschwankungen zu reagieren.

    Eine Bright Sun mit 70W werde ich jetzt erstmal ausprobieren und dann prüfen, wie warm es wirklich wird darunter. Ein verstellbares Vorschaltgerät hab ich auch schon bestellt.

    Wenn ich diese Sun Glo aber nun schon habe, würde, wenn ich dich richtig verstehe, nichts dagegen sprechen, sie mal als Wärmestrahler einzusetzen?


    Blöde Frage noch - wie messe ich am besten die Temperatur unter dem Strahler? Im Terrarium hab ich zwei Thermometer an den Seitenwänden hängen, in verschiedenen Höhen. Soll ich einfach mal eines abnehmen und auf die Sonneninsel legen? Oder mit dem Fieberthermometer? Bratenthermometer? :/


    Viele Grüße

    Birgit

  • Die Sun Glo ist nur ein Spot, ein simples Verschleissteil, das in erster Linie die Temperatur punktuell erhöhen soll. Da Du das Ding hast, kannst Du es natürlich auch nutzen, solange es hält.


    Neben den festen Messgeräten nutze ich gern sowas, um die Temperaturen in meinen Terrarien bei Bedarf zu kontrollieren.

  • das finde ich interessant, dass du auch ein Laserthermometer verwendest, ich mache das auch (zusätzlich zu Thermometern).

    Frage mich aber immer, welche Aussagekraft die Messungen haben?

    Hier wird die Oberflächentemperatur gemessen, nicht die Lufttemperatur.


    Was sagst du/ihr dazu?

  • Die Oberflächentemperatur ist doch am Sonnenplatz genau der Wert, den man ermitteln will?


    Für die Lufttemperatur habe zumindest ich pro Terrarium mindestens ein festes Thermometer, meist mit Fernfühler.

  • Meistens werden für die Tierarten allgemein Temperaturen angegeben, am Sonnenplatz speziell und ein allgemeines Temperaturgefälle im Terrarium.

    Diese Temperaturen werden eigentlich ausschließlich mit den "Lufttemperatur-Fühlern" der Thermometer gegengecheckt.


    Wenn aber am Sonnenplatz die Oberflächentemperatur gemessen wird, dann passt das nicht zur Messung mit den normalen Thermometern.


    Also misst du an den Sonnenplätzen einheitlich die Oberflächentemperatur? Oder unterschiedest du zwischen den Messverfahren?


    Oder aber, die Oberflächentemperatur an den Sonnenplätzen ist maßgebend.


    Ich will da kein unnötiges Fass aufmachen. Aber es gibt eben einen Unterschied zwischen Oberflächen- und Lufttemperatur.


    Mich würde echt interessieren, wie das andere sehen!

  • Bevor ich Messgeräte im Terrarium fixiere, positioniere ich sie an unterschiedlichen Punkten, um ein möglichst genaues Gespür die die Temperaturen zu bekommen. Mit den Fernfühlern erhalte ich mir eine gewisse Flexibilität. Mit Infrarotthermometern kann ich nach Lust und Laune kontrollieren, z.B. bei unerwarteten Temperaturschwankungen in den Terrarienzimmern.


    Ich weiß nicht auf welche Quellen Du Dich beziehst, und ob dort von Luft- oder Oberflächentemperaturen ausgegangen wird. Vermutlich wäre es auch utopisch, jede denkbare Quelle daraufhin kontrollieren zu wollen. Wie jemand misst, ist vermutlich eh nicht der springende Punkt, solange man im Terrarium im Endeffekt das Klima des natürlichen Verbreitungsgebietes möglichst genau simulieren kann. So genau das eben in einem weitestgehend geschlossenen Kasten möglich ist.