Komisches Verhalten eines männlichen Jemenchamäleons

  • Hallo zusammen,:)


    ich schreibe hier, weil ich ein seltsames, wenn auch nicht schlimmmes Verhalten meines Jemenchamäleons (männlich, 12 Monate alt, 150x80x80cm Terrarium, Lucky Reptile bright sun desert 70Watt, 70 Watt HQI- Lampe) aufgefallen ist.


    Er bekommt ausreichend zu essen und auch sonst ist er ein normal gebautes Kerlchen, der viel klettert und sich sonnt. Mittlerweile hat er sich an mich gewöhnt, hat keine Angst mehr vor mir und klettert auch öfters auf die Hand, ohne dass ich sie ihm "hinstrecke".

    Wenn ich, um beispielsweise nach Pflanzen in seinem Terrarium zu schauen, mit meinem Gesicht im Terrrarium bin, kommt er auf einen Ast gegenüber meines Gesichtes und versucht, meine Augen mit seiner Zunge "abzuschießen", wie er es bei seinem Futter auch macht. Das ist mir schon des Öfteren aufgefallen, dass er es immer wieder versucht. Da ich es etwas seltsam finde, wollte ich euch fragen, ob euer Camäleon auch so eine Reaktion zeigt. Eine Drohgebärde scheint dies nicht zu sein, denn er faucht mich weder an noch "plustert" er sich auf bzw, er färbt sich auch nicht dunkel.



    Ist jemanden von euch bei eurem Camäleon auch aufgefallen oder weiß sogar jemand, ob dies ein "normales" Verhalten ist?:/:?:


    Über Antworten würde ich mich sehr freuen.:saint:

  • Hallo


    Das Verhalten kenne ich gut. Meiner versucht das auch immer wieder mal.

    Für ein Chamäleon scheint alles was klein ist und sich bewegt, potenziell essbar zu sein. Das waren bei meinem ausser den Augen auch Fingerringe, Fingernägel (besonders wenn sie farbig sind), Ohrringe, Knöpfe usw.


    Wenn ich lackierte Fingernägel habe, kann ich kaum im Terrarium hantieren, weil er sie dauernd fokussiert und die Zunge in Schussposition bringt :P


    Gruss

    cham-sitter


    PS: Sorry, aber wenn ich lese, ein Chamäleon werde "ausreichend gefüttert" oder "fresse gut", werde ich immer etwas misstrauisch, weil sie sehr häufig überfüttert werden, mit gesundheitlichen Folgen. Darum die Frage: wie viel fütterst du?

  • Futter dosieren? Nun ja - schwer zu bewerkstelligen. Wenn man Goldfliegenlarven oder Heuschreckenpackungen reinstellt kann man kaum beeinflüssen, dass das Tier alles auf einmal frisst. Hungertage sind definitiv auch falsch. Also frisst das Tier soviel er jagen und fressen mag. Ich habe beobachtet, dass er selber an manchen Tagen fast nichts frisst. Wer regelt das in der Natur, wenn er sich in einen Grillen- oder Fliegenschwarm verirrt? Hunde kann man überfüttern - Reptilien schwerlich. Meine Meinung und Erfahrung.


    Meiner schießt auch auf alles was sich bewegt. Und Augen haben schwarze Pupillen und bewegen sich - sind halt in einem Chamäleongehirn Fliegen. :)

    Meine Augen hat er allerdings noch nicht fressen wollen, aber meine Haare.

  • Futter dosieren? Nun ja - schwer zu bewerkstelligen. Wenn man Goldfliegenlarven oder Heuschreckenpackungen reinstellt kann man kaum beeinflüssen, dass das Tier alles auf einmal frisst. Hungertage sind definitiv auch falsch. Also frisst das Tier soviel er jagen und fressen mag. Ich habe beobachtet, dass er selber an manchen Tagen fast nichts frisst. Wer regelt das in der Natur, wenn er sich in einen Grillen- oder Fliegenschwarm verirrt? Hunde kann man überfüttern - Reptilien schwerlich. Meine Meinung und Erfahrung.

    Wer sagt denn, dass man eine ganze Packung ins Terrarium stellen muss?

    Laut Tierärzten mit viel Chamäleon-Erfahrung gehört Überfütterung zu den häufigsten Gründen für Erkrankungen und verkürzte Lebensdauer. Wechselwarme Tiere benötigen viel weniger Energie, als Warmblüter, die ein Grossteil davon für die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur brauchen. Bei Chamäleons kommt dazu, dass man ihnen von aussen eine Überfütterung nicht ansieht, weil sie Fett nicht unter der Haut speichern, sondern im Körperinnern.

    Auf wie viele Chamäleons gründet deine Erfahrung? Und wie alt wurden sie?

  • Danke schonmal für eure Antworten, immerhin weiß ich jetzt, dass das ein "normales" Verhalten ist und das hat mich beruhigt.:thumbup: 


    Zu der Futtermenge: ich habe 2 Fastentage eingeführt, an den anderen Tagen bekommt er momentan 3 Heimchen (ausgewachsene) mit entsprechenden Vitaminpulver. Ich dosiere ihm das auch, keine Frage. Ich schütte diese Tiere in ein Glas mit dem Pulver und stelle ihm das auf den Boden, damit er von einem obrigen Ast herunter schießen kann. Er schaut auch mindestens 15 Minuten, nachdem er das letzte Tier verspeist hat, nochmal nach, ob er ja kein Tier vergessen hat.


    cham-sitter , es ist mein erstes Tier, das kein Säugetier ist. Dafür habe ich mir fünf verschiedene Bücher durchgelesen, mich in 2 Foren angemeldet und auch in Facebook schaue ich öfters nach, was die Leute so schreiben. Das mit dem Überfüttern habe ich auch zu oft gelesen, sodass ich ihm, denke ich zumindest, eher zu wenig gebe als zu viel. Falls ihr noch weitere Tipps habt, was man besser machen könnte, wäre ich sehr dankbar, ich lerne gerne dazu, denn ich möchte ja möglichst lange etwas von meinem kleinen Freund haben.^^


    Aldo , ich habe auch zum Beispiel gelesen, dass man Larven und Würmer nur sehr wenig füttern sollte, da dort zu viel Fett auf einmal drin sei. Das mit den Pupillen als Fliegen hört sich nach einem guten Erklärungsansatz an, denn er ist auch immer so schnell am klettern, wie er es beim Füttern ist.:/

  • Hungertage sind definitiv auch falsch.

    Warum denn?


    Und da es Deiner Meinung nach falsch ist: was tust Du an den Tagen, an denen Dein eigenes Chamäleon nichts frisst? Du vergleichst mit der Natur, dieser Vergleich hinkt leider. Es liegt am Halter, seinem Pflegling bestmögliche Bedingungen zu ermöglichen, dazu zählt auch die Ernährung. Und doch, man kann Reptilien sehr wohl überfüttern, cham-sitter hat das schon auf den Punkt gebracht. Es wird zwar nur ein Bruchteil sämtlicher in Terrarienhaltung verstorbener Reptilien zur Sektion gebracht, aber die daraus resultierenden publizierten Resultate sprechen eine klare und erschreckende Sprache. Wende Dich mal an Dr. Klingberg ( http://www.tierarztpraxis-klingberg.de ) oder Dr. Mutschmann ( http://www.exomed.de ) für weitere Informationen, ich habe gerade keine Zeit und Lust Bücher zu wälzen.


    Vielleicht liest Harte das hier, der hat sicher sofort Quellen zur Hand.

  • Wer sagt denn, dass man eine ganze Packung ins Terrarium stellen muss?

    wie dosiert man eine Packung Goldfliegen mit 100ten Tieren? die schlüpfen alle zeitgleich.


    Erdbähr : ich kenne Dr. Mutschmann aus Veranstaltungen der DGHT.

    Was ich tue? Gar nichts. Er frisst wenn er will und lässt Insekten laufen wenn er sie nicht fressen will. Ich weiß nicht genau, auf was du hinaus willst?

    Klar ist ein Terrarium nicht die Natur. Einige wissen wie streng meine Anforderungen an die Haltung von Reptilien sind. Ich würde sicher der Hälfte der Terrarien hier die Erlaubnis entziehen Reptilien zu beherbergen.

    Meine Meinung, immer ausreichend Futter bereitzustellen, teilen auch Tierärzte und Züchter, die schon über 30Jahre Reptilien besitzen. Mein Tierarzt hält über 60! Krokodile und viele andere Reptilien. Außerdem ist mein Tier noch kein Jahr alt und noch in der Wachstumsphase. Das soll aber nicht bedeuten und auch nicht so rauskommen dass ich beratungsresistent bin (ich habe einiges auf euer Anraten verändert) und ich will ihn auch nicht krank füttern - aber immer ausreichend anbieten. Übrigens schrieb ich von Hungertagen, also Tagen ohne jegliches Futter, und das finde ich falsch. Ich schrieb es nicht und habe auch nicht vor das Tier zu überfüttern.


    Smaragd16 : Würmer und Larven fressen die wohl auch gar nicht. In meiner Urlaubszeit hatte ich ihm Mehlwürmer hingestellt, weil meine Pflegerin nur alle 2 Tage Zeit hatte. Er hat die nicht angerührt. War ein einmaliger Versuch. Wahrscheinlich bewegen sich Larven und Würmer auch zu wenig um Jagdinstinkte zu wecken.

  • Ob Dein Tierarzt nun über 60 Krokodile hält oder nicht, hat wenig Einfluss auf die Fütterungsempfehlung für Chamäleons, die Du in einem Forum äusserst. Ausreichend Futter bereitstellen ist eine Sache. Natürlich sollen Reptilien in Terrarienhaltung ausreichend ernährt werden. Diese Wortwahl ist jedoch so vage, daß sie praktisch keine Aussagekraft hat. Diese Behauptung hingegen

    Hunde kann man überfüttern - Reptilien schwerlich.

    ist hinsichtlich der Reptilien schlicht falsch. Das wollte ich ebenso richtigstellen wie die Behauptung, "Hungertage" seien falsch. Ein einjähriges Jemenchamäleon muß nicht täglich gefüttert werden, und um ein solches geht es hier laut Aussage von Smaragd16. Und was genau an "Hungertagen" falsch sein soll, ausser daß Du sie als falsch empfindest, müßte vielleicht noch erklärt werden. Niemand hat unterstellt Du würdest Tiere fett füttern wollen.


    Den gleichzeitigen Schlupf von Fliegenmaden kann man recht simpel unterbinden, bzw. den Zeitpunkt halbwegs steuern. Man entnimmt Maden und teilt sie auf mehrere Behälter auf, die in einen Kühlschrank gestellt werden. Das verzögert den Prozess erheblich. Eine Packung entnehmen und bei Zimmertemperatur abwarten, sobald die Fliegen da sind, ins Terrarium. Mit den restlichen Behältern zeitverzögert ebenso verfahren.

  • Den gleichzeitigen Schlupf von Fliegenmaden kann man recht simpel unterbinden, bzw. den Zeitpunkt halbwegs steuern. Man entnimmt Maden und teilt sie auf mehrere Behälter auf, die in einen Kühlschrank gestellt werden. Das verzögert den Prozess erheblich. Eine Packung entnehmen und bei Zimmertemperatur abwarten, sobald die Fliegen da sind, ins Terrarium. Mit den restlichen Behältern zeitverzögert ebenso verfahren.

    Danke für den Tip! Werde ich probieren, denn in der Tat sind 100te Fliegen gleichzeitig zu viel. Wusste ich so noch nicht. Meine bisherigen Reptilien waren Pflanzenfresser.


    Mit den 60 Krokodilen hat ein Chamäleon natürlich nichts zu tun. Völlig richtig. Ich wollte damit nur ausdrücken, dass der TA mit Sicherheit weiß was er tut und empfiehlt. Ihr schreibt auch einfach nur, dass ein Chamäleon nicht jeden Tag gefüttert werden muss - genau wie ich es anzweifle und wie es in der Natur auch nicht so vorkommt. Da wird gefressen was möglich. Sind halt 2 unterschiedliche Auffassungen. Gerade durch das regelmäßige Fressen werden Tiere in Gefangenschaft ja auch in der Regel älter als in der Natur.

  • Du darfst dabei nur nicht vergessen, daß ein Terrarium gewöhnlich etwas kleiner ist als die Natur, die Möglichkeit zur Bewegung ist also immens eingeschränkt. Der Aufwand zum Beuteerwerb ist im begrenzten Raum eines Terrariums gleich null, das Futter -im Idealfall- hochwertig, dementsprechend muß man als Halter das Nahrungsangebot anpassen. Weniger ist in dem Fall mehr.


    Würden Jemenchamäleons in der Natur deutlich älter werden, würden sie die Möglichkeit haben regelmäßig(er) zu fressen? Höchst unwahrscheinlich. Da spielen noch "ein paar" andere Faktoren mit, die man in die große Schublade "natürliche Selektion" stecken kann. Unregelmäßiges fressen dürfte vermutlich eine untergeordnete Rolle bei der Lebenserwartung in der Natur spielen.