Heimchen (Acheta domestica)

  • (Update: 11.08.2009)


    Das Heimchen ist wohl das bekannteste Futtertier in der Terraristik, zugleich auch eines der lautesten (Zirpen) und Plagen im eigenen Haus.


    Durch ihre Anspruchslosigkeit sind sie ein optimaler Pflegling, welcher an die meisten Terrarientiere verfüttert werden kann: Dendrobaten, verschiedene Geckoarten, Anolis, Agamen, usw.




    Beschreibung


    Heimchen werden ca. 2,5 cm groß und hellbraun gefärbt nur die Flügeldecken haben dunkelbraune Musterungen. Die Männchen bleiben kleiner und sind zierlicher gebaut als die massigen Weibchen welche zugleich gut erkennbar an ihrer langen Legeröhre sind. Diese dient zur Eiablage und wird in das feuchte Substrat gesteckt.


    Wie zipren Heimchen?
    Die Flügel der männlichen Tiere erstrecken sich über den ganzen Körper. Durch das Reiben zweier Flügel oder der Innenseite der Hinterbeine an einem Flügel, wo Schrillkanten über Schrillflächen (Schrillader) erzeugen sie das allbekannte Zirpen.




    Zucht


    Für eine erfolgreiche Zucht sind gesunde Tiere notwendig, im Handel werden oft ausgewachsene Heimchen verkauft welche nur nach wenigen Tagen versterben und es nicht mehr zu Eiablagen kam.
    Milben und andere Schädlinge sind teilweise ein Grund für das Sterben, wie auch durch einen Virus welcher ganze Zuchten vernichten kann.




    100-300 adulte (geschlechtsreife) Heimchen werden in einem ausreichend großen, durchsichtigen Zuchtbehälter (60x60 cm Grundfläche) angesetzt.
    Diese werden bei 26-30° C und bei keiner zu hohen Luftfeuchte gehalten.


    Die Brutbehälter werden jede Woche durch einen neuen ausgetauscht und der alte ein Aufzuchtbecken überführt. Die jungen Heimchen schlüpfen nach ca. 5-14 Tagen aus den Eiern und sind nach 55-70 Tagen geschlechtsreif und können selbst Eier legen.




    Futter


    Trocken- wie auch Grünfutter wird den Heimchen angeboten
    Trockenfutter:

    • Gemüseflocken
    • Haferflocken
    • Weizenkleie
    • Legemehl
    • Trockengrünfutter
    • Hefe



    Werden die Tiere gleichermaßen mit Trocken- wie auch Grünfutter ernährt gibt es kein Problem bei der Verfütterung beider Sorten. Hingegen bei der Umstellung von reinem Trockenfutter auf Grünfutter gab es bei einigen Züchtern größere Ausfälle in den Zuchtboxen.


    Karotten können das ganze Jahr gefüttert werden, wie auch Gurkenscheiben, verschiedene Salatarten, oder Tomaten bekommt man auch ganzjährig, ebenso wie Äpfel, die man selbst über Winter im Keller lagern kann.


    Das Gemüse und Obst wird gründlich gewaschen, wenn die Möglichkeit besteht es selbst anzupflanzen sollte man auf diese Variante der Futterbeschaffung zurückgreifen. Hierbei ist man sich sicher, das die Pflanzen ohne zusätzliche Düngemittel gedeihen und Schadstoffarm sind (außgenommen der Anbau neben stark befahrenen Straßen).




    Wasserbehälter


    Massensterben in Wasserbehältern? Das muss nicht sein!
    Hierbei gibt es mehrere Varianten auf welche man zurückgeifen kann um solch ein Ertrinken besonders bei Micro Heimchen zu unterbinden.

    • Die Behälter werden mit Wettex oder Wattebäuschchen ausgefüllt und anschließend mit Wasser angefeuchtet. (Materialien zuvor gründlich reinigen)
    • Ein geschlossenes Gefäß welches mit Wasser gefüllt wird. In den Deckel wird ein kleines Loch gebohrt und ein dicker saugfähiger Faden wird einmal gekreuzt und die Enden stehen aus der Dose heraus. Die Schlinge befindet sich im Wasser wodurch sich der Faden mit Wasser ansaugt.


    Probleme


    Zusammenbruch einer ganzen Zucht


    Oftmals bricht eine Zucht - ohne einen ersichtlichen Grund – in wenigen Tagen zusammen. Dies liegt meist an einem Virus wo fast jedes Heimchen egal welchen Alters stirbt. Nur wenige Tiere sind dagegen resistent und überleben diesen Virus.


    Aus eigener Erfahrung wurden meine kleineren Zuchtboxen seltener von diesem Virus befallen, als große wo die Tiere in einer höheren Zahl zusammenleben. Ich empfehle mehrere kleinere Zuchtbehälter mit unterschiedlichen Altersstufen zu betreiben, als nur einen Behälter.
    Ebenfalls ist die Entnahme der passenden Futtertiere (Größe der Tiere) leichter und falls ein Zuchtbehälter ausfällt, kann man auf den nächstbesten zurückgreifen.



    Ein frisch gehäutetes Weibchen, welches gerade die letzte Häutung (Reifehäutung) hinter sich gebracht hat. In diesem Stadium der Häutung sind die Tiere für einige Stunden sehr empfindlich, die Haut und Flügel härten langsam aus.



    Entkommene Heimchen
    Heimchen und auch Grillen sind sehr flinke Tiere.
    Bei der kleinsten Unachtsamkeit können sie leicht entkommen und nisten schneller als uns lieb ist hinter Kästen, in Spalten oder Nischen oder im Winter besonders hinter Heizungen ein.


    Sie vermehren sich nach kurzer Zeit und wenigen Wochen später zirpt es aus jeder Ecke.
    Nicht jeder Mensch empfindet das Zirpen als angenehm, eher als unangenehme Störenfriede, welcher einige schlaflose Nächte bereiten können!


    Um dies zu vermeiden sollte man ausbruchssichere Aufzuchtbehälter bauen, bei dem Herausnehmen von Tieren sehr vorsichtig vorgehen. Aber was kan man noch machen um ein entkommen während der Haltung und der Verfütterung zu verringern?

    • Hohe Zuchtbehälter erschweren das Herrausspringen
    • Die Heimchen welche verfüttert werden, können für 2-3 Minuten in den Kühlschrank gestellt werden, wo sie anschließend starr und unbeweglich an die Echsen verfüttert werden können.
    • Die Heimchen welche verfüttert werden, mit einem Calcium- und/oder Vitaminpräparat bestäuben


    Wenn sich jedoch schon eine ganze Familie eingenistet hat, kann man auf diverse Fallen zurückgreifen:

    • Heimchenfallen
    • Fliegenklebestreifen
    • selbst gebaute Glasfallen


    selbst gebaute Glasfallen


    Ein hohes Gurkenglas in welches man Salat, Fischflocken, oder generell stark riechendes Futter für Heimchen hinein gibt.
    Ein kleiner Holzkeil wird zusätzlich zu dem Glas dazu gelehnt, welcher als Stiege/Leiter dient. Hier können die Heimchen dann hinaufklettern und in das Glas hineinfallen, wo sie nicht mehr heraus kommen.



    natürliche Maßnahmen
    Viele Haushalte beherbergen Spinnen welche in Nischen und Ecken leben. Man sollte diese Tiere nicht töten, sie fressen die entflohenen Heimchen und werden uns Menschen auch nicht gefährlich.

    Agamidae, Agamen

    "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen." von Immanuel Kant