Günstige Alternativen zur Zoohandlung
Liebe Forengemeinde,
ein Arbeitskollege hat bei mir ein paar Lampropeltis
pyromelana erstanden und erzählte mir
hierbei, dass man ihm in einem Zoogeschäft (bekannte Kette) 450 Euro für
Zubehör und Terrarium abnehmen wollte. In meinen Augen ein absolut
unverständlicher Wahnsinnspreis für eine kleinbleibende und weitestgehend
anspruchslose Schlangenart. Was die ihm da im Detail verkaufen wollten, weiß
ich nicht, allerdings habe ich noch nie für ein Standardbecken +Zubehör 450 Euro
bezahlt. Auch ich habe zu Beginn meiner Schlangenkarriere ähnliche Erfahrungen
gemacht (Designerhöhlen und Trinkgefäße, teure Beleuchtungseinrichtung,
„spezieller“ Bodengrund etc., die für den Königspython vorgeschlagene
Beregnungsanlage habe ich Gott sei Dank damals nicht gekauft), weshalb ich mich
dazu entschlossen habe, diesen Thread zu verfassen, um Neueinsteigern ein
ähnlich kostspieliges Schicksal zu ersparen. Ich sage es hier mal in aller
Deutlichkeit, was da teilweise in manchen Zoogeschäften mit ahnungslosen Kunden
betrieben wird ist schlicht und einfach Abzocke!
Ich werde nun im Folgenden meiner Meinung nach
kostengünstige Alternativen zum Terrarium und Zubehör aufzuzeigen. Beim Inhalt
handelt es sich ausschließlich um eigene Erfahrungswerte bzw. die von
befreundeten Terrarianern. Das diese nicht für jede Schlangenart pauschal
gültig sind, sollte jedem klar sein. Kritik und Ergänzungen sind
selbstverständlich willkommen.
Das Terrarium:
Im Handel sind entweder Glasterrarien oder sehr teure
Furnierholzterrarien erhältlich. Alle meine Schlangen halte bzw. hielt ich
bisher immer in OSB-Holzterrarien und habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht.
Holz ist sehr Wärmeisolierend (deutliche Stromersparnis), man kann sehr gut
Zubehör anbringen und es ist deutlich leichter als Glas. Den einzigen Nachteil
sehe ich in der Feuchtigkeitsbeständigkeit von Holz, wobei man diese durch
geeignete Stoffe wie zum Beispiel Epoxydharz erhöhen kann. Unversiegelte Becken
bereiten in der Regel bei LF bis zu 60% keine Probleme, gut versiegelte Becken
haben gegenüber Glasbecken eigentlich keine Nachteile mehr.
Trotz dieser Vorteile ist ein OSB-Becken, welches man selber
bauen oder aber in diversen online Shops
bestellen kann, deutlich günstiger als ein Glasterrarium. Ein 100x50x50
Glasbecken kostet im Zoohandel ca. 100 Euro, ein Markenfurnierholzterrarium
wird im Zoohandel ca. 200 Euro kosten, ein OSB Holzterrarium bekommt man hingegen
bereits neu ab 50 Euro (muss es versiegelt werden, muss man noch mal ca. 20
Euro drauflegen).
Eine andere (nicht gängige) Alternative sind noch Terrarien
aus Styropor, die bei Eigenbau wohl die günstigste Alternative darstellen.
Die Beleuchtung:
Die richtige Beleuchtung ist für viele Halter eine
Glaubensfrage. Daher verweise ich noch mal ausdrücklich darauf, dass es sich im
Folgenden lediglich um meine eigene Meinung bzw. meine eigenen Erfahrungswerte
handelt:
Schlangen benötigen kein UV-Licht. In meinen Terrarien
brennen ganz normale Glühbirnen, Spotstrahler oder Halogenstrahler. Diese
dienen sowohl als Lichtquelle als auch als Heizung. Bei entsprechender Wattzahl
werden keine weiteren Wärmequellen (Heizmatte oder Heizkabel) benötigt.
Ich kaufe schon seit Jahren keine speziellen Terraristikleuchtmittel mehr (eine Ausnahme bilden hier
Nachtlichter, die ich für manche Arten benötige, um auch nachts entsprechende
Temperaturen zu erreichen). Denn auch in denen im Zoohandel erhältlichen
Glühbirnen für 5-10 Euro befindet sich ein so geringer UV-Anteil, dass kaum ein
Unterschied zu normalen Leuchtmitteln aus dem Baumarkt besteht. Hier lässt sich
gerade auf längere Sicht deutlich sparen.
Der Bodengrund:
Ich finde es sehr amüsant, welcher Kult von manchen Haltern
um den richtigen Bodengrund gemacht wird. Kleintierstreu soll nicht gesund für
Schlangen sein und die Walderde muss erst abgekocht und dann noch 5 Tage im
Backofen durcherhitzt werden. Da dies natürlich alles Mist ist, kauft man den
super teuren Rindenmulch aus der Zoohandlung,
denn da ist ja vorne ´ne Schlange drauf und daher ist der besonders gut
geeignet.
In der Natur leben die meisten Tiere weder ausschließlich
auf Sand, Rindenmulch, Blumenerde etc. sondern lernen in ihrem Leben sicherlich
den ein oder anderen unterschiedlichen Bodengrund kennen, den wir teilweise niemals
ins Terrarium packen würden (z. Bsp. Müll).
Der richtige Bodengrund muss sich an den Bedürfnissen des Tieres
orientieren: Das heißt, habe ich ein Tier mit einem erhöhten LF Bedarf,
benötige ich ein Bodensubstrat, welches Feuchtigkeit speichert und diese wieder abgibt
und nicht schimmelt (Rindenmulch, Kleintierstreu, Walderde etc.), kommt ein
Tier aus der Wüste/Steppe, sollte man hingegen ein Sand Erde Gemisch
bevorzugen.
Bei allen Bodengründen ist es lediglich wichtig, dass sie ungiftig für das Tier sind (scharfe Kanten sollte man ebenfalls vermeiden). Und
dies sollte bei heimischer Walderde genauso der Fall sein wie beim Rindenmulch
aus dem Baumarkt. Kleintierstreu wird von zahlreichen Züchtern seit Jahrzehnten
ohne Probleme verwendet. Alle drei Bodengründe verwende bzw. verwendete ich in meinen Terrarien, ohne dass die
Tiere jemals irgendwelche Probleme hatten. Auch Zeitungspapier oder Küchenrolle
eignet sich gut für nicht grabende Arten.
Es gibt also diverse günstige Alternativen zu den Bodengründen
aus dem Zoohandel, obwohl man vom Verkäufer natürlich zu hören bekommt, im
Baumarkt Rindenmulch sind Pestizide und an Kleintierstreu erstickt die
Schlange, die Erde aus dem Wald ist voller Bakterien und bei Zeitungspapier ist
die Tinte giftig (alles Aussagen, die ich in meiner Schlangenanfangszeit im
Zoohandel zu hören bekam).
Verstecke und
Trinkgefäße:
Hier kann ich mich kurz fassen: Wichtig ist, dass das
Material ungiftig und leicht zu reinigen ist. Ansonsten kann man alles
verwenden, was man will. Es muss nicht die Designerhöhle für 20-30 euro sein,
es tut auch der Blumentopf für 1-2 Euro oder als Trinkgefäß der
Blumenuntersetzer. Hier eignet sich Terracotta besonders gut, da man dieses
Material im Ofen durcherhitzen kann und es so Keimfrei bekommt.
Beregnungsanlage:
Nur sinnvoll bei Tieren , die eine dauerhafte LF von 80%+
benötigen und der Halter nicht ausreichend Zeit hat, mit der Sprühflasche zu
hantieren.
Thermocontrol:
Grundsätzlich sinnvoll, bei einem gut eingefahrenen Becken
aber nicht unbedingt nötig. Mit einem handelsüblichen Dimmer kann man Temperaturschwankungen
manuell ausgleichen, vorausgesetzt, der Halter ist aufmerksam und bemerkt diese.
Hat man nur wenig Zeit für die Tiere und kann nicht täglich mehrfach die
Temperaturen kontrollieren oder steuern, würde ich über eine Thermocontrolanlage
ernsthaft nachdenken.
Ich hoffe ich konnte dem ein oder anderen Neueinsteiger ein
paar nützliche Tipps mitgeben und vielleicht etwas die Anschaffungskosten
senken.