Unzählige unsichtbare Keime umgeben den Menschen in jeder Lebenssituation. Normalerweise ist dieses natürliche Lebensumfeld kein Problem für seinen Organismus. Anders ist das allerdings für Kranke, Ältere, Kinder und Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Eine Grippe-, Salmonellen- oder Pneumokokken-Infektion kann hier schon lebensbedrohlich sein. Aber es gibt auch unzählige Keime, die bei Gesunden zu ernsten Infektionserkrankungen führen können.
Weltweit waren und sind Infektionen verantwortlich für eine hohe Erkrankungs- und Sterblichkeitsrate. Erst 1864 erkannte Louis Pasteur aufgrund seiner Experimente, dass Infektionskrankheiten von lebenden Organismen, zum Beispiel von Bakterien, Viren und Pilze, verursacht werden.
Bakterien
Bakterien sind sehr kleine, einzellige Lebewesen, die sich durch Querteilung vermehren. Jeder Mensch ist mit einer speziellen natürlichen Mikroflora von mehr als 1000 verschiedenen Bakterien-Arten besiedelt. Aber nur wenige von ihnen können Krankheiten verursachen. Ist das Immunsystem geschwächt oder gibt es in der Haut Risse, können Bakterien in tiefere Hautschichten eindringen. Dort nisten sie sich ein und vermehren sich. Der Körper wehrt sich gegen die Erreger mit einer akuten Entzündungsreaktion.
Nur wenige Krankheiten entstehen durch Giftstoffe, die Bakterien zum Beispiel in Lebensmitteln außerhalb eines Wirts produzieren.
Die äußere Erscheinung der Bakterien lässt sich auf einfache Grundformen zurückführen; auf Kokken (Kugelbakterien), stäbchenförmige Bakterien und gekrümmte Stäbchen.
Bestimmte Bakterienarten können ihre Gestalt wechseln. Und als so genannte Sporen können sie sehr widerstandsfähige Dauerformen bilden, die auch widrigsten Umweltbedingungen Jahrzehnte trotzen.
Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten.; Rechte: Hauptsache Gesund
Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten.
Viren
Viren sind besonders kleine Krankheitserreger. Sie besitzen keinen eigenen Stoffwechsel und können sich deshalb nur in lebenden Zellen eines Wirtes vermehren. Dazu benutzen sie Menschen, Tiere oder sogar Bakterien als Wirte. Das Virus hängt sich an eine Zelle an und dringt in sie ein. Auf diese Weise schleust es sein Erbgut in das der Wirtszelle, so dass diese gezwungen ist, neue Viren zu produzieren. Nach der Vermehrung verlassen die Viren die Zelle und infizieren neue Zellen.
Viren können Auslöser von relativ harmlosen Infektionen wie Erkältungen sein. Einige Viren-Erkrankungen wie Hepatitis oder AIDS dagegen sind lebensgefährlich.
Ist das Immunsystem durch Viren aber geschwächt, können sich nachfolgend auch die Bakterien vermehren, die vorher in Schach gehalten wurden. Es kommt dann zu einer so genannten Superinfektion, die zu weiteren Komplikationen (Nasennebenhöhlenentzündung, Bronchitis, Mittelohrentzündung, sogar Hirnhaut- oder Lungenentzündung) führen kann.
Beide Erreger, Bakterien und Viren, werden auf drei verschiedenen Wegen übertragen:
1. Durch direkteren Kontakt (Körperkontakt, Händeschütteln, Sex, verunreinigte Nahrung, Berührung von infizierten Gegenständen)
2. Übertragung durch die Luft (Tröpfcheninfektion), durch Husten oder Niesen.
3. Durch Blut, Operationen, durch Mehrfachbenutzen von Spritzbestecken
Pilze; Rechte: Hauptsache Gesund
Pilze
Pilze
Auch Pilze kommen überall in der Umwelt vor. Sie sind aus einzelnen Zellen aufgebaut, die regelrechte Fäden ausbilden, die Pilzfäden. Diese verzweigen sich und bilden widerstandsfähige Geflechte, so genannte Myzel. Die Sporen sind der Teil des Pilzes, der für die Vermehrung zuständig ist. Sporen haben eine Dauerform und können praktisch ohne Stoffwechsel überleben. Finden sie dann ideale Lebensbedingungen, fangen sie an zu keimen und ein Pilzgeflecht zu entwickeln.
Pilzinfektionen (Mykosen) entstehen vorwiegend auf der Haut, den Genitalien und dem gesamten Mund-Magen-Darm-Trakt. Studien ergaben in Deutschland eine Pilzdurchseuchung von 35 bis 45 Prozent der Bevölkerung.
Solange der Mensch nicht geschwächt und für eine Infektion anfällig ist, führen die meisten Pilze nicht zu einer Erkrankung. Sie siedeln sich vor allem dann an und vermehren sich, wenn die Bedingungen günstig sind. Dabei bevorzugen sie eine feucht-warme Umgebung. Deshalb sind vorwiegend jene Körperregionen betroffen, in denen ein solches Mikroklima besteht: Füße in eng anliegendem, atmungsinaktivem Schuhwerk; die Haut der Leistengegend, Schleimhäute des Genitalbereiches, Hautfalten, Haut unter der Babywindel.
Pilz-Infektionen sind ansteckend. Durch mangelnde Hygiene können sie auch bei ein- und derselben Person immer wieder auftreten.
Parasiten
Parasiten sind Organismen, die auf Kosten eines Wirtes leben. Dabei kann er sich auf dem Organismus oder im Organismus seines Wirtes aufhalten. Sie ernähren sich von dessen Körpersubstanz, seinen Körpersäften oder vom Darminhalt.
Im deutschen Sprachraum versteht man unter Parasiten hauptsächlich tierische Schmarotzer wie Einzeller (Protozoen), Gliederfüßler (Arthropoden) und Würmer (Helminten). Zu den verbreitetsten Schmarotzern gehören zum Beispiel die Kopf- und Filzläuse.
Die größten Parasiten, die Bandwürmer, quartieren sich in den verschlungenen Darmwindungen eines Menschen ein. Sie werden 12 Meter lang. Die Namensgebung der einzelnen Bandwürmer orientiert sich dabei an den Wirten, wie z.B. Fisch-, Hunde-, Rinder- oder Schweinebandwurm. Der Mensch kann durch die Aufnahme von Eiern oder Larven sowohl zum Zwischen- als auch Endwirt im Entwicklungszyklus der Bandwürmer werden.