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Fast Eddi

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Mittwoch, 30. Juli 2008, 20:45

Enhydris chinensis

Heute ein paar Worte zu einer eher unbekannten, doch nicht minder interessanten Natter, nämlich Enhydris chinensis oder auch trivial "Chinesische Wassertrugnatter" genannt.

Leider wird diese Art in relativ großen Mengen importiert und zu Spottpreisen hierzulande weiterverkauft.
Leider, weil es kaum brauchbare Informationen über diese Tiere gibt, sondern ganz im Gegenteil sehr viel vollkommen falsches Halbwissen im Internet verbreitet wird.
Leider, weil es entsprechend schwer ist, auf Basis dieser Fehlinformationen Enhydris artgerecht zu halten und die Tiere nicht selten zu einem schnellen Tod verurteilt sind.

Zuerst einmal zu einem der gebräuchlichen deutschen Trivialnamen "Mini-Anaconda": Auf den ersten Blick so falsch wie es nur geht, hat betreffende Schlange doch überhaupt nichts mit der Anaconda gemein.
Auf den zweiten Blick aber nicht so verkehrt (wobei noch lange nicht richtig), denn diese Bezeichung ist vom englischen Trivialnamen "chinese false water anaconda" abgeleitet worden.

Enhydris chinensis kommt in China, Taiwan und Vietnam vor und hält sich dort, wie alle anderen Unterarten von Enhydris auch, überwiegend im Wasser auf. Das bedeutet in Seen, Flüssen, Reisfeldern.
Wer sich dieser Tatsache nicht bewußt ist, wird wohl in der Terrarienhaltung einen groben Fehler nach dem anderen machen. Diese Art hält sich, so meine Beobachtung, zu 99% nur und ausschließlich im Wasser auf! Ein herkömmliches Terrarium sollte man also ganz schnell wieder vergessen.

Enhydris chinensis wird maximal 70cm groß, wobei die männlichen Exemplare mit max. 50cm deutlich kleiner bleiben als weibliche Tiere. Beide Geschlechter wirken plump.
Adulten Tieren sollte man eine Beckengröße von 100x40x40cm (oder größer) gönnen. Für meine Jungtiere habe ich seinerzeit ein Aqua-Terrarium von 40x25x25cm anfertigen lassen.
Die Wassertemperatur habe ich tagsüber bei ca. 25° gehalten, mit leichter Nachtabsenkung. Eine zusätzliche Wärmequelle (Spotstrahler o.ä.) ist nicht notwendig.

Gefüttert wurden meine Tiere alle 5 bis 7 Tage mit Zebrabärblingen oder Trauermantelsalmlern.
Vorsicht! Die Futtermenge unbedingt kontrollieren und nie große Stückzahlen Futterfische einfach ins Becken kippen... Enhydris chinensis neigt dazu, zu fressen soviel angeboten wird.

Vorsicht! Enhydris chinensis ist eine sogenannte Trugnatter, auch "rear fanged snake" genannt. Für den Menschen zwar grundsätzlich ungefährlich und von der Giftwirkung her angeblich mit einem Mückenstich vergleichbar. Aber damit zu spassen ist dennoch nicht, und man sollte sich ständig bewußt sein, ein giftiges Tier zu halten.

Das Beuteverhalten ist sehr interessant. Meine Tiere haben auf zweierlei Art gejagt. Kleinere Tiere haben den Fisch, einmal gepackt, nicht mehr losgelassen und durch kauende Bewegungen Gift in die Wunde "injiziert".
Größere Tiere haben den Fisch meist nur ein mal gebissen, wieder losgelassen und erst nach dessen Tod gefressen.



Abschließend sei bemerkt, daß dieser Bericht einzig und allein auf der Beobachtung dreier Tiere basiert, die ich pflegte. Ich kann und will keine wissenschaftliche Abhandlung bieten, sondern nur einen kleinen, oberflächlichen Einblick in die Haltung geben.
Dieser Bericht sollte niemandem als einzige Informationsquelle dienen, der gedenkt sich ein solches Tier anzuschaffen, und auch nicht den Kauf von Fachliteratur ersetzen.
Ich kann keine Garantie geben, daß meine Angaben auf alle Tiere dieser Art zu projezieren sind, gerade die Haltungsparameter können je nach Herkunft unterschiedlich sein. Je genauer man die Herkunft seiner Tiere kennt, desto genauer kann man die dort herrschenden klimatischen Bedingungen im Terrarium bzw. Aquarium simulieren.

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