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Samstag, 12. Januar 2008, 17:21

Care Sheet - Uromastyx ocellata ocellata (Geschmückte Dornschwanzagame)

FAQ - Agamidae

Uromastyx ocellata ocellata

(Lichtenstein, 1823)



Einordnung innerhalb der Gattung:

Art aus dem Ocellata-Komplex




Verbreitung und Lebensraum

Heimat: Südostägypten, Nord-Sudan, Nord-West-Somalia, Djibuti, Eritrea




Beschreibung

Alter: 15 bis über 20 Jahre.
Größe: in der Regel zwischen 22-28cm, manche Exemplare auch darüber bis max. 32cm

Aussehen und Geschlechtsunterschiede: Aufgrund des ausgeprägten Sexualdichromatismus ist die Geschlechtsbestimmung bei adulten Tieren und semiadulten Exemplaren ab 12-14 Monaten normalerweise relativ einfach. Bei Jungtieren unter einem Jahr ist es dagegen kaum möglich und falls überhaupt sicher bestimmbar, dann nur im direkten Vergleich beider Geschlechter und nur bei guter Entwicklung.

Die Männchen weisen kräftige rote, leicht bläuliche oder dunkel- bis hellgrüne Farben auf.
Die Farben der Weibchen sind in aller Regel viel schwächer ausgeprägt, es gibt aber auch Ausnahmen. Dazu kommt noch die Färbung des Kopfes, besonders die Kinn- und Kehlregion sind bei männlichen Tieren oftmals stark gefärbt, ebenso auch der Bauch, die Weibchen sind dagegen an diesen Stellen meist ungefärbt, eintönig weiß-gelb bis gräulich. Die Kopfoberseite ist beim Männchen entweder rötlich, leicht bläulich oder grünlich gefärbt und von unterschiedlicher Intensivität. Auch Mischtöne sind möglich. Adulte Weibchen sind oftmals geringfügig schwerer als die Männchen.




Ernährung

Omnivor, also sowohl pflanzliche als auch tierische Nahrung.
Während Jungtiere noch mit einem Verhältnis von 50 zu 50 ernährt werden(3-4mal die Woche), sollten die Alttiere, mit Ausnahme trächtiger Weibchen, nur noch 1-2mal wöchentlich Insekten bekommen. Es gibt sogar einzelne Tiere, die eine tierische Ernährung im Alter vollständig ablehnen.

Man sollte allerdings nicht den Fehler machen, die Jungtiere anfangs nur rein tierisch zu ernähren, da gut im Futter stehende, an Insekten gewöhnte, Jungtiere sich dann zu einseitig ernähren. Außerdem kann eine zu proteinreiche Ernährung auf lange Sicht schädlich für den Organismus sein. In der Regel gehen die Jungen von Anfang an schon bereitwillig an Grünfutter und versuchen auch die Sämereien zu fressen.

Tierische Futterbestandteile
Heimchen, Steppen- und Mittelmeergrillen, verschiedene Heuschrecken und Schabenarten, geringerer Anteil an Getreideschimmelkäferlarven(Buffalos) sowie Larven des Schwarzkäfers(Zophobas), Wachsmaden.
Letztere stellen auch ein sehr gutes Aufzucht und Aufpäppelfutter da, da sie im Gegensatz zum sonstigen "Gewürm" sehr weich, leicht verdaulich und gut aufwertbar sind und sie sehr gern genommen werden. Grade für Jungtiere sind auch Ofenfischchen ein hervorragendes Futter.

Pflanzliche Futterbestandteile
Alle Arten von (Wild)-Kräutern und Wildblumen(Achtung Schutzstatus beachten), Himbeer- und Brombeerblätter, Salate und in geringeren Mengen, Karotten(inklusive Kraut), Spinat, Sellerie und verschiedene Kohlarten: Besonders gerne werden gelbe Blüten gefressen (Löwenzahn, Bocksbart, Gänseblümchen, Ringelblume), Akazienblätter, auch die der Robinie(Scheinakazie).

Trockenfutter
Eine Trockenfuttermischung aus Sämereien sollte den Tieren immer angeboten werden. Diese kann sich aus einer Vielzahl von Körnern zusammensetzen z.B. Linsen, Reis, Mungbohnen, Erbsen, Mais, Hanf und eine Vielzahl an weiteren Getreidekörnern. Für Jungtiere sollte man die Mischung allerdings vorher etwas zerkleinern, z.B. mit einer ausgedienten Kaffeemühle, oder man greift von vornherein auf kleinere und weiche Sämereien zurück, (z.B. Hirse, Sesam, Haferflocken, Mohn, kleine rote Linsen).
Ferner kann man den Tieren gelegentlich Blütenpollen (z.B. im Reformhaus erhältlich) anbieten. Jedes Tier entwickelt da so seine eigenen Vorlieben, welche Sämereien es sich herauspickt, während andere Körner ignoriert werden. Man muss allerdings keineswegs die bevorzugten Sämereien sofort nachreichen. Wartet man einwenig, werden die Tiere auch an die weniger beliebten Sachen gehen. Die Tiere können somit nicht mehr so stark selektieren. und die Ernährung ist somit ausgewogener.

Vitamin- und Mineralstoffversorgung
Hierfür eignen sich am Besten Korvimin ZVT, Aminorep oder Zoomed Reptivit welche man im Verhältnis 1:2 mit einem Ca-Salz(Carbonat, Citrat) mischt, oder Herpetal Complete, dem man kein Ca mehr zufügen muss. Futterinsekten sollten grundsätzlich bestäubt werden und auch dem Grünfutter kann man etwas Mineralpulver hinzufügen.
Unter die, meist stark phosphorlastigen, Sämereien sollte man ein Ca oder Mineralpräparat untermischen, um den Ca-Gehalt etwas aufzuwerten. Eine frei verfügbare Ca-Quelle in Form von klein gebröselter Sepiaschale, Taubengritt oder Muschelkalk, sollte den Tieren zusätzlich immer angeboten werden.

Flüssigkeitsversorgung
Erwachsene Tiere decken ihren Feuchtigkeitsbedarf größtenteils über das Futter.
Ein Trinkgefäß ist deshalb nicht nötig, da die Tiere es in der Regel nicht nutzen(Ausnahme: Weibchen nach der Eiablage, kann man ein Schälchen oder einen Teller mit Wasser anbieten). Stattdessen sollte man 2-3mal pro Woche morgens vor dem Anschalten der Beleuchtung sprühen, so dass die Tiere, die von der Einrichtung herunterlaufenden Wassertropfen bei Bedarf auflecken können.

Alternativ kann man von Zeit zu Zeit mal eine möglichst flache Schale mit großer Oberfläche ins Terrarium stellen. Die Tiere laufen da dann gelegentlich beim Umherstreifen zwangsläufig durch und nehmen so über die Haut auch Feuchtigkeit auf.

Die Verstecke und Wohnhöhlen der Tiere sollte man möglichst trocken halten, da es bei längere Zeit anhaltender Staunässe zu schwer behandelbaren Pilzerkrankungen kommen kann.




Terrarium/Einrichtung (LxTxH cm)

Das Terrarium sollte als Wüsten- oder Halbwüstenterrarium angelegt werden.
Da diese Art auch gut und gerne klettert, sollte an der Höhe nicht gespart werden bzw. Kletteräste und eine Felsnachbildung (Kletterrückwand) ins Terrarium integriert werden. 80cm hoch sollte das Becken schon sein. Terrarienmaße mindestens 120x80 als Grundfläche, aber besser größer, da die Tiere ein ziemliches Laufpensum haben.

Besatz
Die paarweise Haltung ist auf jeden Fall die Sicherste, mehrere Männchen können nicht zusammen gehalten werden und auch die Weibchen können sich untereinander zeitweise sehr aggressiv verhalten, vor allem während der Paarungszeit und der Trächtigkeit. Selbstverständlich ist auch eine Einzelhaltung möglich, man verzichtet dadurch allerdings auf eine ganze Reihe interessanter Verhaltensweisen, die es sonst zu beobachten gibt.

Bodensubstrat
Des Weiteren ist ein grabfähiger Bodengrund, am besten ein Sand-Lehm Gemisch oder ein reiner Lehmboden zu empfehlen, in den die Tiere nach Lust und Laune ihre Schlaf und Rückzugsplätze anlegen können. Der Grabtrieb ist bei dieser Uromastyxart allerdings von Tier zu Tier recht unterschiedlich ausgeprägt, manche Exemplare graben überhaupt nicht, andere legen regelrechte Tunnelsysteme an. Man sollte das Substrat aber nur so hoch einbringen, dass eine Kontrolle der Tiere jederzeit noch problemlos möglich ist. Will man auf einen grabfähigen Boden verzichten, so müssen Ersatzverstecke in Form künstlicher Höhlen, Korkröhren usw. angelegt werden.

Feuchtigkeit
Wichtig ist auch die Feuchtigkeit in den Verstecken, es sollte immer mindestens eine Stelle im Terrarium feuchter gehalten werden. Es darf aber niemals zur Bildung von Staunässe kommen, aber eine hohe Luftfeuchtigkeit sollte in den Höhlen immer vorhanden sein, sonst treten Häutungsprobleme auf.




Beleuchtung

Die Beleuchtungsdauer sollte im Sommer 12-14 Stunden betragen und dann im Winter langsam auf 6-8 Stunden reduziert werden. Im Sommer sind durchaus auch Freilandaufenthalte möglich. Dies kommt dann auch der UV-Versorgung der Tiere zu gute, welche man im Terrarium über eine UV-Lampe sicherstellen muss.
Für diesen Zweck sind sowohl die Osram Vitalux(300W) als auch einige Ganztagesstrahler mit UV-B Anteilen(z.B. Zoomed Powersun, T-Rex) geeignet, wobei die Vitalux hier erste Wahl sein sollte.

Beleuchtung
Zur Beleuchtung von Uromastyxterrarien eignen sich nur HQI Strahler oder noch besser die neueren HCI und CDM-Brenner.
Eine ausschließliche Beleuchtung mit Röhren ist nicht möglich, da man so die im Habitat der Tiere vorherrschenden Luxwerte nie erreicht. Man kann allerdings auch eine Kombination aus Röhren(T5) mit eng strahlendem (kleinem Ausstrahlwinkel) HCIs verwenden.
Bei der Schaffung von Wärmeplätzen ist immer auch auf eine ausreichende Helligkeit zu achten, Keramikstrahler oder Infrarotlampen sind hier völlig fehl am Platz, da Uromastyx, wie die meisten anderen heliophilen („sonnenliebenden“) Wüstenbewohner auch, Wärme immer mit Licht assoziieren. Hier ist es am zweckmäßigsten wenn sich der Lichtkegel des HCI Strahlers mit dem eines gewöhnlichen Spotstrahlers/HQL überlappen, somit ist dann der hellste Platz im Terrarium, sinnvollerweise auch gleichzeitig der Wärmste.

Temperaturverhältnisse
Es sollte ein Temperaturgefälle von ca. 30-40° C im Terrarium vorhanden sein. Kühlere Rückzugsplätze schaden nicht, man sollte allerdings darauf achten, dass auch in den Bauten min. 28°C vorhanden sind, da die Tiere unterhalb dieser Temperatur äußerst träge werden und so teils erst sehr spät hervor kommen.
Auf den Sonnenplätzen sollten dagegen Temperaturmaxima von bis zu 55-60° C erreicht werden, da die Tiere diese hohen Temperaturen für die Verdauung und Verwertung der Nahrung benötigen. 50° stellt hier die unterste Grenze da.




Winterruhe

Eine wirkliche Winterruhe hält diese Uromastyxart in der Regel nicht, zeigt in den Wintermonaten aber eine deutlich verringerte Aktivität, welche auch für den Biorhytmus und als Anregung für das Fortpflanzungsverhalten wichtig ist. Einige Halter stellen die Beleuchtung im Terrarium sogar für ein paar Wochen ganz ab, um ihren Tieren eine Erholung zu gönnen.
Wird die Beleuchtung ganz abgeschaltet so darf auch nicht mehr gefüttert werden. Wer sich allerdings für die „mildere“ Überwinterungsmethode entscheidet, sollte auch weiterhin einen Sonnenplatz mit entsprechenden Temperaturen und die Trockenfuttermischung und Grünfutter anbieten und dann eben nur die Gesamttemperaturen im Terrarium und die Beleuchtungsdauer drosseln. Alle künstlichen Lichtquellen einfach abzuschalten ist wohl kaum artgerecht, denn während der Ruhephase gehen in den Herkunftsländern zwar die Temperaturen etwas zurück, aber finster wird es dort nicht.

Jungtiere im ersten Lebensjahr und auch untergewichtige kranke Tiere sollte man nicht in die Winterruhe schicken und 1-2Monate vor Beginn der Ruhephase sollte man Kotproben der Tiere auf Parasiten untersuchen lassen.




Literatur

Allgemein über Uromastyx, aber auch für U. ocellata relevant:
Wilms, Thomas. 2001. Dornschwanzagamen, 2. Aufl. Herpetonverlag; ISBN: 3980621472
Antonini, O. 2004. Les Fouette-Queues/Lezards du genre Uromastyx; Animalia Editions; ISBN: 2952035962 (französisch)
Bartlett, R. D. 2003. Spiny-tailed Agamids: Uromastyx and Xenagama; Barrons; ISBN: 0764125729 (englisch)

Speziell über U. ocellata:
Frahm, S. 2006. Die Geschmückte Dornschwanzagame (Uromastyx ocellata). Natur und Tier Verlag (Münster)
Kliche, B. 2004. Angaben zur Haltung, Zucht und Aufzucht von Uromastyx ocellata; Sauria, Berlin 26 (3): 23-28
Evers,.M. 2001. Haltung und Zucht der geschmückten Dornschwanzagame Uromastyx ocellata ocellata

Bitte Vorsicht bei Informationen aus dem Internet, es gibt zwar einige gute Seiten über Uromastyx, aber es steht auch viel Unsinn im Internet und keine ersetzt das Lesen der Fachliteratur.


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