Paarung & Eiablage bei Pogona Arten
Massenzucht von Pogona vitticeps
Balz / Kopulation / Ablage / Inkubation / Problematik
(Update: 29.01.2011)
Massenzucht von Pogona vitticeps
Pogona vitticeps wird aufgrund ihres recht robusten Charakters vielfach vermehrt. Sie wird als leicht zu haltende Art und Anfängertier geschimpft. Diese Agamenart benötigt jedoch dieselbe fürsorgliche Pflege wie andere Reptilienarten, auch wenn sie kleinere Haltungsfehler leichter als andere Arten verzeiht und Jungtiere problemlos nachgezogen werden. Bei einer Gelegegröße von 8-40 Eiern und mehreren Gelegen pro Jahr, kann ein einziges befruchtetes Bartagamen Weibchen sehr viele lebensfähige Eier ablegen.
Angenommen es werden auch nur die Hälfte der Eier, von jedem dritten Pogona vitticeps Halter erfolgreich inkubiert - Züchter einmal ausgeschlossen - wird uns schnell bewusst, das ein deutlicher Überschuss dieser Tiere entsteht. Diese Jungtiere werden meist aufgrund fehlender Abgabemöglichkeiten billig an den nächst gelegenen Zoofachhandel verkauft und teilen dort ein trauriges und oft sehr kurzes Schicksal mit unzähligen weiteren Artgenossen in viel zu kleinen Terrarien.
Bereits für ein paar Euro sind sie bei privaten Züchtern um 10-20 €, im Handel für evtl. 40-100 € erhältlich. Vielen dieser kleinen Geschöpfe widerfährt ein trauriges Schicksal aufgrund der 'Wegwerf-Mentalität' "sollte es nicht klappen = sterben, ist billiger Nachschub vorhanden" und der Unwissenheit der Käufer. Daheim in viel zu kleinen und spärlich eingerichteten Terrarien ohne passende Grundbeleuchtung, falsche Haltungsparameter gesetzt und mit nährstoffarmen Futter recht kurz am Leben erhalten.
Warum?
Billiger Erwerb, Fehlinformationen, keine ausreichende Grundliteratur vorhanden, eigene Bequemlichkeit, die Tiere können Schmerzen nicht durch Laute wie Hunde und Katzen signalisieren, erscheinen für uns beim Einstieg in dieses Hobby als Gefühlsarm, erkennen Probleme zu spät... im Grunde können sie leider kostengünstig wieder ersetzt werden.

Sollten sie sich jedoch gewissenhaft auf eine Haltung dieser Art vorbereiten und später auch pflegen, wächst vielleicht der Wunsch erfolgreich Jungtiere aufzuziehen.
Lässt sich dieser Gedanke bei dieser Art nicht bremsen, empfehle ich ein paar wenige Dinge zu beachten:
- Suchen sie vorab ausreichend verlässliche Abnehmer
- Inkubieren sie nur so viele befruchtete Eier, wie sie auch Abnehmer gefunden haben
- Inkubieren sie so wenige Eier (1-5) wie möglich
- Pogona vitticeps besitzt nahezu keinen materiellen Wert mehr, eine große Zucht wird ihre eigene Brieftasche nicht bereichern
- Das restliche, nicht zu inkubierende Gelege wird sorgfältig abgetötet, z.B.: die Eier für einige Minuten in die Tiefkühltruhe legen
Generell wird von einer Aufzucht von
Balz
P. vitticeps wird bereits unter einem Jahr geschlechtsreif, sollte jedoch frühestens nach einem Erreichen von rund 12-16 Monaten verpaart werden. Eine Trennung der Geschlechter kann eine frühzeitige Paarung verhindern. Weibchen sind dennoch im Stande unbefruchtete Eier (Wachseier) auszubilden und abzulegen. Dazu später mehr.
Anzeichen
Nach einer erfolgreichen Überwinterung, im darauf folgenden Frühjahr beginnt die Balz. Typische Merkmale dafür sind:
- Die männlichen Agamen färben ihren Bart schwarz
- nicken stark mit dem Kopf
- nähert sich mit ruckartigen, nickenden Bewegungen den weiblichen Artgenossen
- beißt ihnen in den Nacken
- Die weiblichen Agamen nicken langsam
- winken mit den Armen
- Generell sind die Tiere aktiver als sonst und nützten die Fläche des Terrariums für Verfolgungen und Fluchtversuche.
Nicht jeder Nackenbiss ist mit einer Kopulation (Paarung) gekrönt. Die Weibchen flüchten oft vor den aggressiven Versuchen der Männchen, welche sie quer durch das Terrarium nach jagen.
Hierbei können Bissverletzungen im Nackenbereich auftreten. Die Haut wird schwer verletzt, stirbt ab oder offene Wunden entstehen. Eine Behandlung der Wunde und bei Gefahr einer Entzündung sollten sie einen reptilienkundigen Tierarzt konsultieren.

Kopulation
Die männliche Agame verbeißt sich in den Nacken des Weibchens, schiebt die Kloake unter ihre und führt einen der zwei Hemipenes in die Kloakenöffnung der weiblichen Agame ein. Die Kopulation selbst dauert nur wenige Sekunden an.
Die Weibchen werden in diesem Zeitraum durch das Männchen und die daraufhin folgende Trächtigkeit und Eiablage stark gestresst. Werden die Geschlechter zusammen gehalten, empfehle ich diese vorrübergehend getrennt unter zu bringen.
Ablage
40-55 Tage nach erfolgreicher Kopulation zeichnen sich Wölbungen im Bauchbereich der weiblichen Agamen ab. Spätesten nun erkennt man eine fortgeschrittene Trächtigkeit des Tieres. In dieser Zeit beginnt das Weibchen an einzelnen Stellen im Terrarium einen passenden Ablageplatz zu suchen und gräbt hierfür mehrere Stellen auf. Sogenannte Probegrabungen werden durchgeführt.
Vorbereitung
- An mindestens 2-3 Stellen im Terrarium grabfähiges Substrat aus einem Sand/Lehm Gemisch bis zu 45-50 cm aufschütten
- leicht befeuchten (keine Staunässe)
- einen Sichtschutz - Wurzeln, Stämme, Rindenstücke,... - anbringen
Auch eine Ablagekiste, welche meist aus Plastik/Holz besteht und mit feuchtem Sand/Lehm Gemisch befüllt ist, stellt eine weitere Option einer leichten Auffindung der Eier dar.
- integrierte Ablagekiste im Terrarium
- herausnehmbare Ablagekiste in das Terrarium einbringen
Die Höhlen/Gänge der Probegrabungen werden nicht zugeschüttet, anders jedoch bei einer erfolgreichen Ablage. Markierte Ablagestellen - Längsstreifen über den befeuchteten Sand ziehen - sind zu empfehlen. Kann man die Eiablage nicht beobachten und möchte das Terrarium nicht unnötig (auf der Suche nach den Eiern) gänzlich umgraben, können diese Markierungen sehr hilfreich sein.
Während der Eiablage benötigen die weiblichen Agamen ausreichend Ruhe um ihre Eier zu vergraben. Ggf. können sie die Artgenossen in ein Ausweichterrarium überführen. Das Graben der Höhle wie Ablegen der Eier nimmt mehrere Stunden in Anspruch.

Ernährung
Pogona vitticeps Weibchen können während einer Saison bis zu 6 Gelege mit jeweils 8 bis ca. 35-40 Eier (letzteres nur von dementsprechend großen Weibchen) ablegen.
Dies bedeutet für den weiblichen Körper der Agamen einerseits Stress, andererseits wird er durch die stetige Produktion und Ausbildung der Eier belastet und ausgezerrt. Daher ist es besonders wichtig auf eine vermehrte und ausgewogene Calcium- und Vitamingabe zu achten!
Bei einer Unterversorgung können verschiedene Probleme auftreten:
- Missbildungen der Jungtiere
- hohe Sterblichkeitsrate vor dem Schlupf
- hohe Sterblichkeitsrate nach dem Schlupf
- schwache und nicht lebensfähige Jungtiere
- Legenot
Inkubation
Wenige Stunden nach der Ablage werden die Eier vorsichtig ausgegraben und entweder sorgfältig abgetötet und entsorgt oder, nach bereits getroffener Vorbereitung, teilweise inkubiert.
Die Eier dürfen bei der Entnahme nicht gedreht werden, da die Gefahr besteht, dass die Embryos absterben.
Zitat aus "Inkubation von Reptilieneiern" von G. Köhler, Herpeton Verlag, 1997
"... Während beim Vogel angenommen wird, dass die regelmässigen Drehungen der Eier durch die Elterntiere Verwachsungen von Embryo und Eihäuten verhindern sollen (NEW 1957), sind diese beim Reptilienei normal (EWERT 1985, FERGUSON 1985). Werden Repilieneier um die Horizontalachse gedreht, so ist das für die Embryonen in der Regel tödlich (BUSTARD 1972, LIMPUS et al. 1979, FERGUSON 1985). Allerdings liegen auch gegenteilige Untersuchungsergebnisse vor, nach denen ein Drehen der Eier auf den Kopf keinen Einfluss auf die Schlupfrate hatte (MARCELLINI & DAVIS 1982, FELDMANN 1983). Da Lageveränderungen jedoch unter natürlichen Bedingungen bei Reptilieneiern normalerweise nicht auftreten, sollten diese auch bei der künstlichen Inkubation unterbleiben, um kein Risiko einzugehen. ..."
"... Allerdings ist die Empfindlichkeit des Reptilieneies gegenüber Drehungen nicht während der gesamten Inkubationsdauer gleichermaßen ausgeprägt. Abgesehen von den ersten Stunden nach der Eiablage ist der Effekt von Lageveränderungen im ersten Drittel der Inkubationsperiode am grössten (JOANEN & McNEASE 1977, 1979, EWERT 1979, 1985, LIMPUS et al. 1979, BLANCK & SAWYER 1981, CHAN et al. 1985, FERGUSON 1985, CHAN 1989, DEEMING 1991). Bei Eiern, die nach diesem Zeitraum gedreht werden, führt diese Störung in der Regel dazu, dass das Jungtier das Ei nicht oben, sondern an der Unterseite öffnet (EWERT 1985). Da der Dotter ein höheres spezifisches Gewicht aufweist als das Zytoplasma, sinkt der Dotter beim frisch abgelegten Ei nach unten und der Embryo treibt an die Oberseite des Eies (BELLAIRS 1991). Das Anwachsen des Reptilienembryos stellt einen wichtigen Teil in seiner Entwicklung dar, da es dadurch zu einem Abtrocknen der Eischale unmittelbar über dem Embryo kommt. Dies erhöht wiederum die Sauerstoffdurchlässigkeit der Eischale und beugt damit einer Sauerstoffunterversorgung des Embryos vor (THOMPSON 1985, WHITEHEAD 1987). Bei auf den Kopf gedrehten Reptilieneiern befindet sich der Embryo unter dem Dotter und wird dort aufgrund seiner Verwachsungen mit den Eihäuten festgehalten und an einer Rückkehr an die Eioberfläche gehindert. Die große auf dem Embryo lastende Dottermenge verhindert eine normale Entwicklung und kann zu Missbildungen oder zum Tod des Embryos führen (EWERT 1985, FERGUSON 1985). Weiterhin kommt durch das Drehen der Eier die Dottermasse in Bewegung, was zum Zerreissen der Eihäute führen kann. Die Allantois ist diesbezüglich besonders empfindlich (FERGUSON 1985, THOMPSON 1985, WEBB et al. 1987a, b). In den ersten Stunden nach der Eiablage, wenn der Embryo noch nicht mit der Eimembran verwachsen ist, kann der Dotter noch frei im Ei rotieren. Nach dem ersten Drittel der Inkubationsdauer haben sich die extraembryonalen Eihäute voll entwickelt und ihre Verwachsungen mit der Eimembran sind so fest, dass sie durch Dotterbewegungen nicht mehr abgelöst werden (DEEMING 1991). ..."
Nach ca. 50-65 Tagen, bei Temperaturen von 28° bis max. 30° C und einer Luftfeuchte von ca. 90%, schlüpfen die Jungtiere im Inkubator.
Sie verbleiben noch einige Zeit darin und werden anschließend in ein Aufzuchtterrarium überführt.

PROBLEMATIK
Wachseier
Das Weibchen kann unbefruchtete Eier - ohne Zutun eines Männchens - ausbilden und ablegen. Diese sogenannten Wachseier sind unbefruchtet, gelb, teilweise verformt und/oder werden erst nach wenigen Tagen im Inkubator gelb und fallen ein.
Legenot
Weibchen welche die Eier im Körper behalten und sie nicht ablegen bzw. nicht im Stande sind sie abzulegen.
Ursachen hierfür könnten sein:
- Stress (Artgenossen, Menschen, Transport)
- Erkrankungen
- Fehlen von geeigneten Eiablageplätzen
- Zu sehr geschwächtes Weibchen (fehlende Ruhephasen zwischen den Gelegen)
- Mineralstoff- & Calciummangel (vor, während und nach der Schwangerschaft/Ablage unzureichende Versorgung)
- Weitere falsche Haltungsbedingungen...
Anzeigen für eine Legenot:
- Die Probegrabungen wurden abrupt eingestellt und nicht wieder aufgenommen
- Nahrungsverweigerung oder fängt plötzlich an zu fressen
- Apathisches Verhalten
- Geschlossene Augen
- Hochgewölbter Rücken
Bei einer Legenot ist unverzüglich ein reptilienkundiger Tierarzt aufzusuchen.
Für das Weibchen besteht Lebensgefahr werden die Eier
nicht früh genug abgelegt/entfernt.
Gezeichnet: Melina Baurecht (Username: dark_beauty_)